
Wie wir täglich in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden sehen, eröffnen immersive Technologien neue Lernräume und Potenziale für die Aus-, Fort- und Weiterbildung in Gesundheitsberufen. Die Wirksamkeit von Virtual Reality, Augmented Reality und weiteren xR-Technologien in den Bereichen Bildung und Training ist inzwischen durch zahlreiche internationale Studien wissenschaftlich belegt.
Mit seiner Masterarbeit „Einsatz von Virtual Reality und Augmented Reality Lernanwendungen im Gesundheitswesen“ greift Jonas Fröhlich diesen Themenbereich auf und untersucht ihn systematisch im Kontext der Gesundheitsbildung. Im Rahmen unseres Fortbildungsprogramms xR Skillstrainer für Gesundheitsberufe® wurden Teilnehmende zu ihren Erfahrungen mit den eingesetzten immersiven Lernformaten befragt. Die qualitative Auswertung dieser Reflexionen bildet den Kern der wissenschaftlichen Arbeit.
Im Interview spricht Jonas Fröhlich über die Erprobung im xR Skillstrainer®, zentrale Erkenntnisse seiner Untersuchung, Erfolgsfaktoren für einen nachhaltigen Einsatz – und darüber, warum xR weit mehr ist als ein technischer Trend ist.
StellDirVor: Was macht Virtual und Augmented Reality aus deiner Sicht so wirkungsvoll – und wo liegt der größte Mehrwert für Lernende?
Jonas Fröhlich:
Der größte Mehrwert von xR liegt darin, dass Lernende komplexe, seltene oder potenziell kritische Situationen erleben und trainieren können, bevor sie ihnen im realen Berufsalltag begegnen. Immersive Technologien machen Abläufe, Entscheidungsprozesse und Zusammenhänge sichtbar und erlebbar – und zwar risikofrei und wiederholbar.
Besonders wirksam ist xR dort, wo Theorie sonst abstrakt bleibt: bei der Orientierung im Arbeitsumfeld, beim prozessorientierten Handeln und bei der Vorbereitung auf anspruchsvolle Situationen. Lernende gewinnen dadurch Sicherheit, Selbstvertrauen und ein besseres Verständnis für ihre professionelle Rolle, was den Übergang in die Praxis deutlich erleichtert.
Welche Faktoren entscheiden darüber, ob xR langfristig wirkt und nicht beim Pilotprojekt stehen bleibt?
Die Erprobung und die begleitende Untersuchung zeigen sehr klar: Der Einsatz von immersiven Technologien in der Aus-, Fort- und Weiterbildung für Gesundheitsberufe scheitert nur selten an der Technologie selbst, sondern fast immer an den Rahmenbedingungen.
Entscheidend sind klare Lernziele, eine curriculare Einbettung, stabile technische Voraussetzungen und vor allem qualifizierte Bildungspersonen. xR sollte nicht als Ersatz, sondern als sinnvolle Ergänzung und Erweiterung bestehender Lernformate verstanden werden.
Wenn Lehrende Sicherheit im Umgang mit den Anwendungen haben, den didaktischen Mehrwert einschätzen können und der Einsatz strategisch geplant ist, gelingt der Schritt vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb.
Welche Rolle spielt xR aus deiner Sicht künftig für die Attraktivität von Ausbildung und Einrichtungen?
xR hat großes Potenzial, Bildungseinrichtungen als modern, innovativ und zukunftsorientiert zu positionieren. Gerade für jüngere Generationen signalisiert der Einsatz zeitgemäßer Lernformate, dass Ausbildung nah an der beruflichen Realität und den Erwartungen der Lernenden gestaltet wird. Gleichzeitig wirkt xR auch nach innen: Es steigert Motivation, Lernbereitschaft und Identifikation – sowohl bei Lernenden als auch bei Lehrenden. Wichtig ist dabei Authentizität: xR darf kein Show-Element sein, sondern muss didaktisch sinnvoll integriert werden. Nur dann entfaltet es nachhaltig Wirkung auf Attraktivität, Qualität und Profilbildung von Bildungseinrichtungen.“
Vielen Dank für diese Einschätzung, Jonas! Wir nehmen aus der Erprobung im xR Skillstrainer für Gesundheitsberufe® klar mit:
xR wurde von den Teilnehmenden als sehr wirksam, motivierend und praxisnah bewertet. Gleichzeitig zeigt sich deutlich, dass eine nachhaltige curriculare Verankerung nicht automatisch entsteht.
Erfolgsentscheidend sind vor allem:
- die Qualifizierung und Sicherheit der Bildungspersonen,
- eine klare didaktische Zielsetzung,
- sowie institutionelle Rahmenbedingungen, die xR nicht als Ausnahme, sondern als regulären Bestandteil von Aus-, Fort- und Weiterbildung ermöglichen.
xR ist damit kein kurzfristiger Trend, sondern ein strategisches Werkzeug – vorausgesetzt, es wird professionell eingeführt, begleitet und weiterentwickelt.